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Timmendorfer Strand: Häufiges Ziel von Einbrechern und Räubern
Bürgermeister Volker Popp will mit den Fraktionsvorsitzenden in Timmendorfer Strand über einen eigenen Sicherheitsdienst diskutieren.

Gracia-Patricia Walters Gracia-Patricia Walters

Gracia-Patricia Walters vor der provisorischen Metalltür des Juweliergeschäfts


Timmendorfer Strand - An der Kurpromenade in Timmendorfer Strand bot sich den Passanten gestern ein ungewohntes Bild. Vor dem Juweliergeschäft Mahlberg stand eine junge Frau – gekleidet in einen langen, schwarzen Mantel, am Gürtel eine Waffe. Gracia-Patricia Walters, Chefin des Lübecker Sicherheitsunternehmens Lloyd Security, kümmerte sich um die Sicherheit des Geschäftes, und vor allem der Mitarbeiter, die im Inneren noch immer die Schäden vom Vortag beseitigten. Am frühen Dienstagmorgen war dort eingebrochen worden (die LN berichteten). Die Täter hatten Schmuck im Wert von über 40 000 Euro entwendet. Und das nicht zum ersten Mal.
Bereits vor drei Jahren versuchten Einbrecher mit einem Auto durch die Tür in das Geschäft zu fahren, um es leer zu räumen, scheiterten damals aber. 2001 gab es sogar eine regelrechte Einbruchs- und Raubserie. Am 20. September 2001 rasten Unbekannte mit einem BMW in die Tür des Juweliergeschäfts Lindner und stahlen gezielt edle Uhren im Wert von mehreren Zehntausend Mark, bevor sie in einem zweiten Wagen, der auf sie wartete, flohen. Nur einen Tag später gingen drei Maskierte noch weiter und überfielen am helllichten Tag mit gezückter Waffe den Juwelier Mahlberg. Dabei erbeuteten sie Schmuck im Wert von etwa einer Million Mark. Und keine zwei Monate später, im November, überfielen ebenfalls drei maskierte und bewaffnete Männer wieder das Juweliergeschäft Lindner und erbeuteten Schmuck im Wert von mehreren 10 000 Mark. Aber warum immer in Timmendorfer Strand?
„Wir sind eine Gemeinde, in der viele hochpreisige Waren angeboten werden“, sagt Timmendorfs Bürgermeister Volker Popp (parteilos). Und Carola Aßmann, Pressesprecherin der Polizeidirektion Lübeck, gibt ihm Recht. „Die Täter suchen sich ganz gezielt Juweliere und Schmuckgeschäfte aus, in denen sie mit guter Beute rechnen.“ Auch die Größe der Ostsee-Gemeinde könnte nach Aßmanns Meinung eine Rolle bei der Auswahl der Täter spielen. „In Timmendorfer Strand gibt es viele hochklassige Geschäfte, obwohl es keine große Stadt ist.“ Und Volker Popp ergänzt: „Unsere Polizei ist personell natürlich nicht so gut aufgestellt wie zum Beispiel die Lübecker Polizei. Daher können die Beamten hier nicht so präsent sein wie in einer Großstadt.“
Ein weiteres Indiz für die Professionalität der Mahlberg-Täter ist die Art und Weise, wie sie sich Zugang zu den Geschäftsräumen des Juweliers verschafften. Nach den neuesten Erkenntnissen der Polizei wurde die Tür aufgebrochen, indem ein explosives Gasgemisch zwischen Sicherheitsglastür und Metalllamellensicherung eingeleitet und dann zur Detonation gebracht wurde. „Dass Geldautomaten mithilfe von Gas gesprengt werden, haben wir schon häufiger gesehen“, sagt Wilfried Drzensky vom VdS Schadenverhütung. Die Kölner Firma ist eine Art Stiftung Warentest, die Sicherheitstechnik prüft und zertifiziert (siehe Infotext). „Aber dass auf diese Weise eine Tür geöffnet wird, ist mir neu“, sagt Drzensky überrascht.
Doch die Verbrecher in Timmendorfer Strand verfügten nicht nur über spezielles Fachwissen , sie gingen auch besonders rücksichtslos vor – die einzelnen abgesprengten Teile flogen durch die heftige Explosion bis zu zehn Meter weit. „Eine solche Radikalisierung bei Einbrüchen in Schmuck- und Uhrengeschäfte beobachten wir schon seit einigen Jahren“, sagt auch Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ). „Dabei ist die Gewaltbereitschaft ungemein gestiegen – sowohl bei den Einbrüchen außerhalb als auch innerhalb der Geschäftszeiten.“
Dieser Trend macht auch dem Timmendorfer Bürgermeister zu schaffen. „Wir arbeiten seit Jahren eng mit der Polizei zusammen und die meisten Geschäfte haben ihren eigenen Sicherheitsdienst“, sagt Popp, „trotzdem werde ich bei meinem nächsten Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden mal zur Diskussion stellen, ob die Gemeinde noch zusätzlich einen Sicherheitsdienst engagieren sollte.

Lübecker Nachrichten von Jörn Kießler und 13.10.2011




Die Frau, die Bodyguards dezent einsetzt
Sie ist freundlich und verbindlich. In ihrem neuen Beruf kann Gracia-Patricia Walters aber auch andere Saiten aufziehen.

Gracia-Patricia Walters

Ratzeburg - Ideen muss man haben: Gracia-Patricia Walters ist in Ratzeburg als Inhaberin eines Reisebüros gut bekannt, doch jetzt hat sie eine zweite Firma gegründet, die sich mit Sicherheitsaspekten ganz unterschiedlicher Art befasst und unter anderem Bodyguards vermittelt. "Lloyd Security" heißt das Unternehmen, das vom Objektschutz bis zum Sicherheitstraining für Kinder und von der Betreuung von Großveranstaltungen bis zu speziellen Transportaufgaben ein breites Spektrum an Dienstleistungen anbietet.

Auch der Personenschutz gehört dazu. Gracia-Patricia Walters kann auf eine Gruppe von bis zu 35 Männern und Frauen zurückgreifen: "Alle sind bestens ausgebildet und zuverlässig". Ohne eine gründliche Überprüfung und ohne polizeiliches Führungszeugnis nehme sie niemanden in ihr Team auf: "Die Chemie muss stimmen, und wir arbeiten absolut seriös."
Einige Aufträge von Prominenten hat sie bereits erfolgreich erledigt, wobei über die Kunden üblicherweise keine Auskunft gegeben wird. Immerhin verrät sie, dass der frühere Tennisstar Michael Stich darunter ist, der mit seiner Stiftung öfter Veranstaltungen mit bekannten Show-Größen und Sportlern auf die Beine stellt.
Da sorgt dann das Lübecker Lloyd-Team für Sicherheit - sehr unauffällig, versteht sich. "Sicherheitsexperten sind dann gut, wenn man nichts von ihnen merkt und nichts eskaliert", sagt die 34-Jährige. Das gelte auch für größere Feste und Veranstaltungen, bei denen es immer mal wieder zu Problemen mit Betrunkenen komme. Da verweist Gracia-Patricia Walters auf eine Beobachtung, die sie schon öfter machte: Alkoholisierte Männer reagieren wesentlich weniger aggressiv, wenn eine Frau sie anspricht. Also hat die junge Unternehmerin auch ein paar Frauen im Einsatz, die freundlich, aber bestimmt ihre Aufgaben erledigen.

Sollte ein Mann dann doch mal handgreiflich werden, könnte ihm das großen Ärger einbringen, denn die Mitarbeiter des Lloyd-Teams wissen sich nun wirklich zu wehren. Das gilt auch für die Chefin selbst, die als Kind schon auf der Judo-Matte stand und es heute noch mit Angreifern aufnehmen würde, die weit größer und schwerer sind als sie selbst. Wie fast alle ihre Mitarbeiter hat auch sie einen Lehrgang an der 1998 gegründeten Bodyguard-Akademie in Lübeck absolviert. Dort lernt man, Konflikte schnell zu beenden oder besser noch nicht entstehen zu lassen.

Die neue Firma schützt nicht nur Menschen, sondern auch Häuser - zum Beispiel solche von Menschen, die längere Zeit verreist sind. Zum Service gehört auch, im Haus ab und zu das Licht anzuschalten, die Post aus dem Briefkasten zu nehmen und zu lüften. Wenn es gewünscht wird, zieht auch jemand während der Urlaubszeit in das Objekt ein, das bewacht werden soll.
"Wir sind ein kleines Unternehmen, das gerade deshalb flexibel und unkompliziert arbeiten kann", erklärt die Geschäftsführerin. Diskretion sei selbstverständlich - es sei denn, die Kunden wünschten ausdrücklich, dass man die Sicherheitsleute auch gleich erkennt. Für solche Einsätze könne sie "ein paar imposante Männer" mobilisieren, sagt die Unternehmerin.

Lübecker Nachrichten von Norbert Dreessen 23.09.2007

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